Wallfahrten

Wallfahrten sind nicht unter "Tourismus" einzuordnen. Sie sind keine Führungen zu historischen oder kunstgeschichtlich interessanten Stätten. Sie sind auch nicht als Ausflug ins Grüne zu verstehen. Sie sind Ausdruck der Frömmigkeit, die dem Wandel der Zeiten unterliegt.

In Wallfahrten erschließt und verwirklicht sich ein Wesenszug des Menschen, der Wanderer in dieser Welt ist und der für diese irdische Pilgerschaft betend und bittend Ausschau hält nach Helfern.
Jede Lebensgeschichte ist die Geschichte eines Weges, einer zurückgelegten Strecke mit ewiger Suche nach sich selbst und dem Sinn des Lebens. In dem berühmten Deutschen Wörterbuch, herausgegeben von den Brüdern Jakob und Wilhelm Grimme, wird nachgewiesen, dass das althochdeutsche Wort "sinna" (Sinn) die ursprüngliche Bedeutung "reisen, beistehen, sich um etwas kümmern" hat. Wer sich also dem Sinn seines Lebens öffnen will, muss sich auf Wanderschaft begeben. Auf den vielen Wegen und Irrwegen mit Glück und Leid wird er seine Erfahrungen machen und an Weisheit gewinnen.

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Unterwegs wird er den Beistand anderer erfahren und sich dem Schutz Gottes anvertrauen, denn Gottes Gnade ist bei ihm.

Wallfahrten haben, wie sie auch Lebenswege haben sollten, ein Ziel: eine Kirche, eine Kapelle, einen bestimmten Ort, ein Gnadenbild. Sie sind Zeichen des Glaubens an die Wirksamkeit Gottes in seinen Engeln und Heiligen, an die Gnadenerweise, die Gott Menschen auf den irdischen Pilgerwegen gibt und an Erfahrungen der göttlichen Führung, die viele in ihrem Leben bereits gemacht haben.