Auf dem Weg ins Dorf der Hoffnung

Paula Möhlenkamp hat ihr Abitur in der Tasche, zusammen mit ein paar Träumen. Ein schönes Bild: Träume in der Tasche. Die kann sie jederzeit herauskramen – ganz sachte, damit sie nicht verknicken – und vor sich aufbauen. So wie sie es jetzt gerade macht, mit ruhiger Stimme und kreisenden Handbewegungen, den kleinen Finger der rechten Hand ein wenig abgespreizt.

Die Träume handeln von noch nie Erfahrenem, von Aufbruch, Reise und Wiederkehr. Nach Israel geht es, in die Nähe von Haifa. Kfar Tikva heißt der Ort, das Dorf der Hoffnung. Ein Jahr wird sie dort als Freiwillige des Bistums leben und arbeiten.
Kfar Tikva liegt im Norden Israels. Seit 1963 leben dort behinderte Menschen zusammen. Die 200 Bewohner von Kfar Tikva arbeiten in der dorfeigenen Plastikfabrik, einem Weinprojekt und einer Hundezucht, leben allein oder zu zweit in eigenen Häusern. In ihrer Freizeit musizieren, tanzen, malen, töpfern und reiten sie. Menschen wie Paula Möhlenkamp unterstützen sie.
Es sei ihr erstes Interview mit einer Zeitung, sagt die 19-Jährige aus Bad Iburg. Darum hat sie sich vorbereitet. Zwei DIN-A-4-Seiten liegen vor ihr, mit Tinte beschrieben in ihrer geschwungenen Schrift. „Damit ich nichts vergesse, mir schwirrt gerade so vieles im Kopf herum“, sagt sie. Sie erzählt von ihren Träumen: die Welt sehen und Abenteuer erleben. Sie wolle Erfahrungen machen, die sie in ihre Lebensplanung einfließen lassen könne. Vieles von dem, was sie sagt, liest sie von ihren Zetteln ab. Wenn sie eine Zeitlang nicht auf die Papiere schaut, fehlen große Worte wie Lebensplanung und Abenteuer.

Dann spricht sie von ihrer Aufregung, die steigt, je näher der Abreisetermin, der 14. Juli, rückt, von Freunden und Familie, die sie vermissen wird und davon, dass sie hofft, sich selbst näherzukommen. Nach 13 Jahren in der Schule und im gleichen Lebensumfeld will sie sich neu kennenlernen. „Ich will gucken: Wer bin ich und wer möchte ich sein?“
Vor allem aber erzählt sie von ihrer jüngeren Schwester Johanna, die geistig behindert ist. Von Johannas Lachen und dass sie ihrer Familie jeden Tag zeige, wie lebenswert das Leben ist. Damit Johanna glücklich sein kann, braucht sie jemanden, der ihr im Alltag hilft. „Solch ein Mensch möchte ich für die Menschen in Kfar Tikva  sein“, sagt Paula. Denn von denen, da ist sie sich sicher, „nehme ich mehr mit als ich dalasse“.
Michael Schiffbänker

Der Aussendungsgottesdienst für die Freiwilligen ist am 25. Juni um 16.30 Uhr in der Kleinen Kirche in Osnabrück.

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